"Fünf Flure, eine Stunde" ist ein Wahrnehmungsspiel. Alles was wir hören ist echt, und ist es auch wieder nicht. Luise Voigt wirft einen neuen, angst- und vorurteilsfreien Blick auf diese letzte Etappe des Lebens. In fünf Fluren von Alteneinrichtungen haben sie und ihr Team O-Töne aufgenommen. Und zwar am selben Tag (dem 20. Mai 2019) und zur selben Stunde (jeweils von 8 bis 9 Uhr). Diese fünf Stunden wurden als reiner Klang übereinandergelegt, transkribiert und durch junge Schauspieler nachgesprochen. Sie spielen exakt zurück, was tatsächlich stattgefunden hat. Aufgenommen in nur einem Take ist auch die Produktionsweise analog zum Material, die Aufnahme eines einzigen Livetakes ohne Schnitt und ohne vorproduzierte Musik oder Geräusche.

Was wie ein konzeptuelles Konstrukt wirkt, wird bald als Verdopplung der Situation im Pflegeheim erfahrbar: Alle Beteiligten stehen unter gewaltigem Zeitdruck, dürfen aber den Kontakt zueinander nie verlieren, brauchen höchste Aufmerksamkeit füreinander.

Mit: Lisa Charlotte Friedrich, Philippe Ledun, Nele Niemeyer, Pirmin Sedlmeir und Anna Sonnenschein.

Live-Komposition: Milena Kipfmüller & Klaus Janek

Konzept & Regie: Luise Voigt

hr/SWR/Dlf Kultur 2020

In Stanniolpapier (2019)

von Björn SC Deigner

"Die Welt is'n komischer Ort, vollgestopft mit Leuten", sagt Maria. Sie ist Prostituierte; aus einem geschundenen Kind wurde eine verschacherte Frau. Erzählt wird diese dokumentarisch recherchierte Geschichte ohne Larmoyanz, Milieu-Kitsch und Rotlicht-Romantik. Die Sprache ist poetisch, hart, unmoralisch. Denn eine Erlösung findet hier nicht statt, zumindest nicht im richtigen Leben. Maria ist jedoch eine Frauenfigur, die allen Widrigkeiten zum Trotz ihren pragmatischen Optimismus nicht verliert. Egal, was passiert und wie schrecklich es auch sein mag, sie bejaht das Leben.

​Mit: Josefin Platt

Regie: Luise Voigt

Komposition: Friederike Bernhard

Produktion: SWR 2019 

Hörspiel des Monats August 2019

von Luise Voigt

Fünf Menschen leben die Utopie eines sexuell befreiten und von Geschlechterrollen losgelösten Miteinanders. Sie sehen und begehren mit ganz eigenen Augen, unabhängig von gesellschaftlicher Konvention.

Fünf Individuen, fünf Perspektiven. Wir begleiten sie und erfahren, wohin sie ihr Begehren lenkt und über welche Stationen sie die Suche nach ihrer sexuellen Identität geführt hat.

Regie: Luise Voigt

Komposition: Friederike Bernhardt

Produktion: Deutschlandfunk Kultur 2019

von Annie Ernaux

Die Lebensgeschichte der Autorin, Jahrgang 1940, wird anhand von sehr plastisch erzählten Beispielen zusammengesetzt: Schulhofszenen, Familienzusammenkünfte, Moden, Konsumverhalten, sprachliche Marotten, politische Ereignisse und immer wieder der sich in der Zeit wandelnde Umgang mit Sexualität – ausgehend von ihrer Kindheit im provinziellen Frankreich bis in die heutige Zeit.

Der Rückblick auf das eigene Leben verdichtet sich durch die Vielzahl sehr fein beobachteter Details trotz des individuellen Ausgangsmaterials zu einem soziologischen Blick auf die 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts, der sich losgelöst vom französischen Kontext auch auf hiesige Verhältnisse übertragen lässt. Ernaux erzählt ihr Erwachsenwerden auch als Geschichte einer Emanzipation. Innerhalb der Zwänge der jeweiligen historischen Umstände zeigt sie die Herausforderungen, das eigene Leben zu gestalten.

Mit: Birte Schnöink, Constanze Becker, Corinna Harfouch, Nicole Heesters

Hörspielbearbeitung und Regie: Luise Voigt

Komposition: Björn SC Deigner

Produktion: hr2 2018

nominiert zum deutschen Hörspielpreis der ARD 2019

Hörbuch des Jahres 2019

Deutscher Hörbuchpreis in der Kategorie "Bestes Hörspiel" 2020

Wie fragil Identität ist, zeigt eine Überlieferung aus dem frühen 15. Jahrhundert. In Florenz wird einem Holzschnitzer ein böser Streich gespielt: Man lässt ihn glauben, er sei ein anderer.

Sein Umfeld spricht ihn mit falschem Namen an und zwingt ihn so in eine fremde Biografie.

Diese Geschichte im Gepäck, erforscht die Autorin fest eingebettete Identitäten und Identitätskonstruktionen.

Unter Verwendung der "Novelle vom dicken Holzschnitzer" von Antonio Manetti.


Mit: Pirmin Sedlmeir in sämtlichen Rollen
Musik- und Sounddesign: Björn SC Deigner
Ton/Technik: Andreas Stoffels und Alexander Brennecke/Sonja Rebel

Regie: Luise Voigt
Produktion: Deutschlandradio Kultur 2016

The Black Hole Radio - Gespräche über das Nullwachstum oder Lieder aus der Nachbarschaft. (2015)

Von Luise Voigt mit der Gruppe HuRRa!!

"Das Wachstumsparadigma ist unsere unbestechlichste Logik, es ist unser größter Stern. Kollabiert ein großer Stern, entsteht ein schwarzes Loch als ein Raum-Zeit-Kontinuum jenseits unseres Vorstellungsvermögens." Meint Luise Voigt. Doch was wäre eigentlich, wenn unser Leben im Nullwachstum endete? Drei Personen werden befragt. Ihre Versuche, sich ein Leben außerhalb des Wachstumsdenkens vorzustellen, scheitern schnell oder führen zu Bildern des Müßiggangs. Aus ihren Statements im O-Ton schaffen drei "professionelle Performer" eine Partitur aus Stimme, Musik und Klang und umkreisen die Paradoxien der Fragestellung.

Mit Oda Zuschneid, Sebastian Schimmel und Malte Scholz

Komposition: Björn SC Deigner
Regie: Luise Voigt
Produktion: SWR 2015 |42 Min.

Hörspiel des Monats Juni 2015

Ausbrennen - Songs von der Selbstverwertung oder Melodien für den Feierabend. (2013)

Hörspiel von Luise Voigt mit der Gruppe huRRa!!

Im Zentrum dieser Hörspielperformance steht die Ausbeutung der kreativen Arbeitskraft als selbstbestimmte, als eine die sich mit Vergnügen aus- und verbrennen lässt. Ein Grundsetting von Sängern, Musikern und Sprechern entwickelt "Arbeiterlieder" zwischen surrealer und sinnstoftender Utopie, Lustgewinn und Selbstzweifel. Die Erzählungen und Lieder beginnen vordergründig mit "Arbeiterbiografien" der beteiligten Kunst- und Kulturschaffenden. Sie werden zunehmend durch Fremdbiografien von Personen aus anderen Schichten und Branchen, die auf Interviews basieren, unterwandert. Die Entwürfe und Grenzen der "frei arbeitenden, sich nur ihren Gesetzen unterwerfenden Geister" werden in die gesellschaftlichen Koordinaten aufgelöst und in Songs konsumierbar gemacht.  

 

Mit Björn SC Deigner, Daniel Franz, Wolfram Sander, Sebastian Schimmel, Katharina Stephan, Luise Voigt u.a.

Musik: Björn SC Deigner

Regie: Luise Voigt

Produktion SWR 2013 

Weltall-Erde-Mensch (2012)

von Luise Voigt

"Nordhausen ist ein kleiner Punkt im Weltall. Er bewegt sich mit rasender Geschwindigkeit auf einer Kreisbahn - sofern man die Ellipsengesetze nicht kennt. Die exakte Geschwindigkeit von Nordhausen lässt sich allerdings nicht feststellen, außer man könnte von einem festen Bezugspunkt im All ausgehen. Doch den gibt es im Grunde genommen nicht. 

Die Bewohner von Nordhausen rasen haltlos durch das All. Dennoch sind sie gebunden an diesen kleinen Ort im Norden Thüringens. Außer sie würden genug Muskelkraft besitzen, um ihn zu verlassen. Sie müssten nur schnell genug und hoch genug springen können, während es Nordhausen weiter durch den Kosmos treibt. Dann wären sie vielleicht entwischt. Hier, mitten in Deutschland - und doch am Rande der medialen Aufmerksamkeit - gibt es Menschen, die hier weiterhin leben und auch unter Perspektivlosigkeit leiden. Das Land, in dem sie heute leben, hat die Gesetze nicht für sie gemacht. Das Land, in dem sie vorher lebten, tat das ebenso wenig. 

In diesem Niemandsland, meiner Heimatstadt Nordhausen, begebe ich mich gemeinsam mit diesen Menschen auf ihre Umlaufbahnen ohne Bezugspunkt. Bereits 2005 widmete ich mich in einem Kurzhörspiel während meines Studiums dem Leben der Menschen in Nordhausen, um ihnen eine Stimme in künstlerischer Gestalt zu geben. Heute, sechs Jahre später, besuche ich sie erneut, um unsere Gespräche weiter zu vertiefen und ihre Wege weiter zu begleiten", erklärt die Autorin. Luise Voigts Langzeitprojekt ist ein Glücksfall in Zeiten schnellen Produzierens. Und sie greift eine Tradition im Hörspiel auf, die den O-Ton grenzüberschreitend zum Feature als eine Möglichkeit des künstlerischen Ausdrucks nutzt und ihn in eine Kunstwirklichkeit überführt.

 

Mit Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Nordhausen

Regie: Luise Voigt
Komposition: Björn SC Deigner
Produktion: SWR 2012

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